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Selbstbehauptungskurs für Kinder: Worauf sollten Eltern und Schulen achten?
Für Kurse zur Gewaltprävention gibt es in Deutschland keine staatlich anerkannte Ausbildung und keine unabhängige Zertifizierung. Das schreibt das Landeskriminalamt Baden-Württemberg wörtlich. Du musst also selbst prüfen. Sechs Punkte reichen dafür: die Qualifikation der Kursleitung, Gruppengröße und Dauer, die Freiwilligkeit jeder Übung, das Verhältnis von Inhalt zu Technik, die Einbindung der Eltern und die Vernetzung mit einer Beratungsstelle vor Ort. Und ein Satz gilt unabhängig vom Anbieter: Ein Kurs macht kein Kind sicher. Für den Schutz von Kindern sind Erwachsene verantwortlich – nicht die Kinder.
Stand: 4. August 2026
Selbstbehauptung, Selbstverteidigung, Selbstsicherheitstraining – was ist was?
Drei Begriffe, drei verschiedene Sachen. Wer einen Kurs sucht, sollte sie auseinanderhalten – sonst bucht er das Falsche.
Selbstbehauptung heißt: die eigenen Grenzen spüren und deutlich machen können. Der Schwerpunkt liegt auf Körpersprache, Stimme und sicherem Auftreten. Bei Kindern kann das ein entschiedenes „Nein", lautes Rufen oder Hilfe holen sein. Wichtig ist eine Bedingung, die leicht übersehen wird: Selbstbehauptung muss auch im Alltag gelten dürfen – zum Beispiel beim unerwünschten Küsschen der Oma. Wird sie nur als Technik für den Ernstfall aufgespart, hat sie keinen Boden.
Selbstverteidigung heißt: sich mit körperlichen Techniken gegen einen Angriff wehren. Für Kinder gilt hier eine klare Einschränkung. Ein Kind ist einem Erwachsenen körperlich unterlegen. Der Eindruck, es könne sich körperlich gegen einen Erwachsenen behaupten, ist für Kinder meist eine Überforderung – und gegen vertraute Personen wird ein Kind ohnehin kaum körperlich vorgehen.
Selbstsicherheitstraining ist der umfassende Präventionskurs. Es geht in erster Linie um eine Haltung, nicht um Techniken: gesundes Selbstwertgefühl, eigene Bedürfnisse äußern, sich Erwachsenen anvertrauen dürfen, wissen, wo Hilfe zu holen ist. Selbstbehauptung ist ein Baustein davon.
Die Faustregel: Je jünger das Kind, desto stärker liegt der Schwerpunkt auf Selbstbehauptung statt auf Selbstverteidigung. Die Polizeiliche Kriminalprävention formuliert das für die Fünf- bis Zehnjährigen ausdrücklich so.
Und noch eine Abgrenzung, weil sie oft verwechselt wird: Mobbing ist kein Fall für einen Einzelkurs. Mobbing ist ein Gruppenprozess. Die Fachempfehlung lautet, die ganze Klasse einzubeziehen – nicht nur das betroffene Kind zu trainieren. Ein Selbstbehauptungskurs kann ergänzen, er ersetzt die Arbeit an der Gruppe nicht.
Warum du selbst prüfen musst
Es gibt einen Satz, der alles Weitere erklärt. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg schreibt ihn so:
„Unabhängige Zertifizierungen oder eine staatlich anerkannte Ausbildung für Kurse zur Gewaltprävention gibt es nicht."
Die Kinderschutzverbände sagen dasselbe: Es gibt keine geschützte Ausbildung, die für Fachlichkeit garantiert. Der Markt ist groß, die Qualität sehr unterschiedlich, und der Titel „Selbstbehauptungstrainer" ist nicht geschützt. Anbieter kommen aus ganz verschiedenen Berufsfeldern, und nicht alle verfügen über ausreichende Fachlichkeit.
Das ist kein Grund zur Panik. Es ist der Grund für die folgende Prüfliste. Denn: Wenn kein Siegel die Arbeit abnimmt, musst du die sechs Punkte selbst abfragen. Ein guter Anbieter erwartet genau diese Fragen.
Die sechs Prüfpunkte
Qualifikation der Kursleitung
Kann sie ihre Ausbildung belegen?
Ein pädagogischer oder psychologischer Hintergrund, eine spezielle Aus- oder Fortbildung für genau diesen Kurs, regelmäßige Weiterbildung und Kenntnis des örtlichen Hilfenetzes – das sind die Nachweise, die zählen. Berufserfahrung allein reicht nicht. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg stellt ausdrücklich klar: Auch bei früheren Beschäftigten aus dem Sicherheitsbereich ersetzt die Berufserfahrung die zusätzliche Qualifikation nicht.
Ein verantwortungsvoller Anbieter legt für seine Kursleitungen außerdem ein erweitertes Führungszeugnis vor oder bestätigt, dass er es geprüft hat. Für Kurse in Schulen und in der offenen Ganztagsbetreuung ist das in vielen Bundesländern ohnehin Voraussetzung. Frag ruhig danach – ein seriöser Anbieter erwartet diese Frage.
Der wichtigste Punkt steht am Schluss: Die Kursleitung muss bereit sein, ihr Konzept offenzulegen und kritisch hinterfragen zu lassen. Sie sollte jederzeit über ihre Qualifikation Auskunft geben. Wer darauf ausweicht, ist raus.
Gruppengröße und Dauer
Kein Crashkurs, keine halbe Klasse auf einmal.
Höchstens 12 Kinder pro Kursleitung, ideal sind 8 bis 12. Je jünger die Kinder, desto kleiner die Gruppe. Die Kursdauer sollte etwa 12 Stunden betragen – ein Wochenende, kein Zwei-Stunden-Crashkurs. Ein Auffrischungs- oder Aufbaukurs gehört zum guten Angebot dazu.
Das ist keine Bürokratie. Es ist die Bedingung, unter der überhaupt eine Wirkung gemessen wurde: In der Forschung zeigten Programme mit mehr als drei Terminen und mit praktischen Übungen einen deutlich stärkeren Effekt als kurze, rein vortragende Angebote. Einfach ausgedrückt: Ein Crashkurs ist nicht dasselbe Produkt mit weniger Zeit. Er ist ein anderes Produkt.
Freiwilligkeit
Darf ein Kind Nein sagen – auch im Kurs?
Die Teilnahme an jeder einzelnen Übung ist freiwillig – auch bei Kursen in der Schule. Kein Kind muss alle Kursteile mitmachen. Körperkontakt gibt es nur mit Einwilligung des Kindes. Kein Gruppendruck, kein Trainerdruck, keine Leistungsabfrage, keine Noten. Und keine Überraschungsangriffe: Herausfordernde Situationen werden angekündigt und gut vorbereitet, nie überfallartig geübt.
Vor dem Kurs solltest du schriftlich informiert werden – über Ablauf, Inhalte und darüber, dass jede Übung freiwillig ist. Deine Einwilligung als Elternteil holt ein guter Anbieter vorher ein.
Inhalt statt Technik
Wie viel Kurszeit geht für Griffe drauf?
Körperliche Techniken machen höchstens 30 Prozent der Kurszeit aus. Der Schwerpunkt liegt woanders: Wahrnehmung, Stimme, Körpersprache, eigene Grenzen spüren und benennen, Hilfe holen. Und wenn Abwehrstrategien geübt werden, dann solche, die im nahen sozialen Umfeld funktionieren – denn dort liegt der Schwerpunkt der Gefährdung, und ausgerechnet dort nützt körperliche Abwehr am wenigsten.
Eltern und Lehrkräfte
Wirst du eingebunden oder nur informiert?
Vorbereitende Elternarbeit ist Pflicht, nicht Kür – mindestens ein erklärendes Anschreiben, besser ein Elternabend zu Beginn. Dabei sollte auch zur Sprache kommen, was du selbst zu Hause zum Schutz deines Kindes beitragen kannst.
Der Grund leuchtet sofort ein: Die im Kurs erarbeitete Haltung wirkt viel stärker, wenn sie zu Hause unterstützt wird. Oft erleben Kinder aber das Gegenteil. Sie lernen im Kurs, Nein zu sagen und Bedürfnisse zu äußern – und zu Hause ist die neue „aufmüpfige" Haltung gar nicht gern gesehen.
Vernetzung vor Ort – was passiert, wenn sich ein Kind öffnet?
Weiß die Kursleitung, wen sie anruft?
Gute Präventionsarbeit kann dazu führen, dass ein Kind während oder nach dem Kurs von etwas erzählt, das ihm passiert ist. Ein verantwortungsvoller Anbieter hat für diesen Fall einen festen Weg: Er arbeitet mit einer Fachberatungsstelle vor Ort zusammen – Jugendamt, Kinderschutzbund oder spezialisierte Beratungsstelle – und weiß, an wen er sich zur fachlichen Beratung wenden kann. Frag danach. Wer darauf keine Antwort hat, ist nicht vorbereitet.
Woran du ein unseriöses Angebot erkennst
- Erfolgsgarantie („Geld zurück bei Nichterfolg"): Weder Selbstbewusstsein noch Abwehrfähigkeit lassen sich in wenigen Stunden garantiert erlernen.
- Sicherheitsversprechen („macht Ihr Kind sicher"): Absolute Sicherheit kann niemand garantieren – sei skeptisch bei solchen Versprechen.
- Werbung mit der Angst, mit steigender Kriminalität und drohenden Überfällen: Das spielt mit den Ängsten von Eltern und Kindern und ist eine unseriöse Werbestrategie.
- Fixierung auf den fremden Täter: Sie schränkt Kinder in ihrer Bewegungsfreiheit ein und lenkt vom Ort ab, an dem die meiste Gefährdung liegt – dem nahen Umfeld.
- „Ernstfallerprobung" und Live-Überfälle: Kinder überraschend zu attackieren, verunsichert, überfordert und kann wie ein realer Übergriff wirken. Ein guter Kurs macht das nicht.
- Prominente, Presseauftritte, Elternzitate als Qualitätsbeleg: erfreulich für den Anbieter, aber kein Nachweis von Fachlichkeit.
- Werbung mit dem Wort „Polizei" ohne echte Beteiligung: Frag beim Kommissariat Vorbeugung deiner örtlichen Polizeidienststelle nach, ob die Polizei wirklich eingebunden ist.
- Zwangsmitgliedschaft oder Folgekosten: Ein seriöser Kurs kostet, was er kostet – ohne weitere Bedingungen.
Was ein Kurs kann – und was er nicht kann
Das ist der ehrlichste Abschnitt, und er gehört genauso zur Wahrheit wie die Prüfliste.
Was ein guter Kurs leisten kann: Er baut Wissen auf, sensibilisiert für Grenzverletzungen, gibt Kindern Sprache für das, was sie fühlen, und zeigt, wo Hilfe zu holen ist. Die Forschung belegt Effekte auf Wissen und Schutzverhalten. Und ein Effekt ist besonders bedeutsam: Kurse führen dazu, dass Kinder sich eher anvertrauen.
In der Auswertung mehrerer Studien (Cochrane 2015) berichteten 14 von 1.000 Kindern der Kursgruppe von einem erlebten Übergriff – gegenüber 4 von 1.000 in der Vergleichsgruppe. Genau darin liegt der belegbare Nutzen: nicht Abwehr, sondern Offenlegung.
Was ein Kurs nicht kann: ein Kind vor einem Übergriff schützen. Das ist der unbequeme Befund der Forschung, und er gehört offen ausgesprochen. In realen Übergriffssituationen konnten Kinder auch nach einem umfassenden Kurs einen Übergriff nicht häufiger verhindern. Der Grund ist einfach: Ein Kind ist einem Erwachsenen immer unterlegen. Deshalb lehrt kein seriöser Kurs ein Kind, sich körperlich gegen einen Erwachsenen zu wehren – und deshalb bleibt die Verantwortung dort, wo sie hingehört.
Ein Wort noch zu einem Versprechen, das fast jeder Prospekt macht: „stärkt das Selbstbewusstsein". Das ist das erklärte Ziel fast aller Angebote. In diesem Zusammenhang ist es bisher aber kaum untersucht. Es spricht nichts dagegen, es zu erhoffen – nur belegen lässt es sich derzeit nicht.
Ein Kurs macht kein Kind sicher. Er ersetzt die Präventionsarbeit zu Hause und in der Schule nicht, er ergänzt sie. Und er ist kein Therapieersatz für ein Kind, das bereits etwas erlebt hat.
Der Satz, der bleibt: Sich zu wehren ist ein Recht, kein Muss. Die Verantwortung bleibt beim Täter.
Für Schulen und Vereine: Ein Kurs ist ein Baustein
Für Schulen und Vereine gilt der Grundsatz besonders. Die Kinderschutzverbände bringen ihn in ein Bild: „So wie die berühmte einzelne Schwalbe noch keinen Sommer macht, so macht auch ein Selbstsicherheitstraining noch kein sicheres Kind."
Ein Kurs wirkt am besten, wenn er in ein Konzept eingebettet ist. Das empfohlene Bausteinprinzip:
- Alle Lehrkräfte erhalten eine Fortbildung zu sexualisierter Gewalt und schulischer Prävention.
- Präventionsthemen werden kontinuierlich in den Unterricht integriert, nicht einmalig abgehandelt.
- Es gibt mindestens einen Elternabend.
- Der Kurs wird im Unterricht nachbereitet.
- Nach Möglichkeit kommen weitere Aktivitäten dazu – etwa ein Theaterstück zum Thema.
- Örtliche Einrichtungen aus dem Hilfenetz sind als Partner eingebunden.
Schulen in Nordrhein-Westfalen sind seit 2022 verpflichtet, ein eigenes Schutzkonzept gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch zu entwickeln. Ein einzelner Kurs ersetzt es nicht – er fügt sich darin ein. Denn: Einzelmaßnahmen allein genügen nicht.
Häufig gestellte Fragen
Ab welchem Alter ist ein Selbstbehauptungskurs sinnvoll?
Die Fachempfehlung nennt die 3. oder 4. Grundschulklasse als Einstieg. Bei Kindern unter acht Jahren gilt: Sie sind oft überfordert, Geübtes selbstständig in den Alltag zu übertragen, wenn das Umfeld nicht mitzieht. Für diese Altersgruppe zählt vor allem, wie Erwachsene im Alltag mit den Grenzen des Kindes umgehen.
Was ist der Unterschied zwischen Selbstbehauptung und Selbstverteidigung?
Selbstbehauptung heißt, die eigenen Grenzen zu spüren und deutlich zu machen – über Stimme, Körpersprache und Auftreten. Selbstverteidigung meint körperliche Techniken für Notwehrsituationen. Für Kinder ist Selbstverteidigung nur begrenzt einsetzbar, weil sie es in Gewaltsituationen meist mit körperlich Überlegenen zu tun haben. Deshalb liegt der Schwerpunkt auf Selbstbehauptung.
Wie groß darf die Gruppe sein und wie lange sollte der Kurs dauern?
Ideal sind 8 bis 12 Kinder, höchstens 12 pro Kursleitung. Die Kursdauer sollte etwa 12 Unterrichtsstunden betragen – kein Crashkurs. Auffrischungs- und Aufbaukurse sind sinnvoll.
Woran erkenne ich ein unseriöses Angebot?
An Erfolgs- oder Sicherheitsgarantien, an Werbung, die mit steigender Kriminalität Angst schürt, an einer Fixierung auf fremde Täter, an nachgestellten Überfällen und an Prominenten oder Presseauftritten statt nachgewiesener Qualifikation. Wirbt ein Anbieter mit dem Wort „Polizei", kannst du beim Kommissariat Vorbeugung der örtlichen Polizeidienststelle nachfragen, ob die Polizei wirklich beteiligt ist.
Macht so ein Kurs mein Kind sicher?
Nein, und kein seriöser Anbieter behauptet das. Kurse können Wissen aufbauen, für Grenzverletzungen sensibilisieren und zeigen, wo Hilfe zu holen ist. In realen Übergriffssituationen konnten Kinder auch nach einem Kurs einen Übergriff nicht häufiger verhindern. Verantwortlich für den Schutz von Kindern sind Erwachsene.
Muss mein Kind bei allen Übungen mitmachen?
Nein. Freiwilligkeit ist ein Kernkriterium, auch bei Kursen in der Schule. Kein Kind muss alle Kursteile absolvieren, Körperkontakt gibt es nur mit Einwilligung, kein Gruppen- oder Trainerdruck, keine Leistungsabfrage.
Braucht die Kursleitung eine Zertifizierung?
Es gibt keine. Weder eine staatlich anerkannte Ausbildung noch eine unabhängige Zertifizierung für Gewaltpräventionskurse existiert in Deutschland. Deshalb zählen die Nachweise: pädagogische oder psychologische Ausbildung, spezielle Fortbildung für genau diesen Kurs, regelmäßige Weiterbildung, Vernetzung mit dem örtlichen Hilfenetz – und die Bereitschaft, das Kurskonzept offenzulegen.
Reicht ein Kurs, wenn mein Kind gemobbt wird?
Meist nicht. Mobbing ist ein Gruppenprozess. Die Fachempfehlung lautet, die ganze Klasse einzubeziehen, statt nur das betroffene Kind zu trainieren. Ein Selbstbehauptungskurs kann ergänzen, er ersetzt die Arbeit an der Gruppe nicht.
„Nicht mit mir!" – Selbstbehauptung für Kinder und Jugendliche bei der Kurszeit GmbH
Wir bieten den Kurs inhouse für Schulen, Vereine und Gruppen an. Inhalte: Grenzen spüren und setzen, sicher auftreten, in bedrängenden Situationen Hilfe holen – spielerisch und altersgerecht.
Wir haben unser Format an denselben Kriterien gemessen, die oben stehen. „Nicht mit mir!" erfüllt die fünf Kernpunkte: höchstens 12 Kinder je Kursleitung, mindestens 12 Stunden, höchstens 30 Prozent Technikanteil, verpflichtende Elternarbeit und die Vernetzung mit einer Fachberatungsstelle vor Ort.
Kursseite ansehen Unverbindlich anfragenÖffnet dein Mail-Programm – oder schreib direkt an info@kurszeit.de
Die Kriterien oben gelten unabhängig davon, bei wem du buchst. Frag sie uns genauso ab wie jedem anderen Anbieter.
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